Rorschach im Weinberg

Fotoausstellung von Heinrich Brinkmöller-Becker
Rorschach im Weinberg

Verlängert bis 14. September 17:00 Uhr - anschließende Finissage

Die knorrigen Hölzer von Weinstöcken – erst recht die von abgeschlagenen und damit „leblosen“  - führen ein merkwürdiges Eigenleben, sie ergeben ein spannendes Fotomotiv: Je nach Position, Bildausschnitt und Licht vermag der Betrachter Tier- oder  Menschen-Bilder zu erkennen. Das eigentlich „tote“ Holz der Weinstöcke gewinnt so durch die Assoziationskraft beim Betrachten dieser Bilder  ein neues Leben, der Weinberg gerät so in eine geradezu an Ovid erinnernde Metamorphose: vom Weinstock in ein Tier bzw. zurück in ein zoo- oder anthropomorph anmutendes Holzstück.

Die kontrastreichen schwarz-weiß-Bilder der Ausstellung heben die Struktur dieser Objekte besonders hervor – auch durch die Betonung einer nur geringen Fokusebene, die neben der Form oder Gestalt das Entscheidende für die Assoziation von (Tier- oder Mensch-)Köpfen betont: die Augen. Der Sprachgebrauch im Botanischen, wo Astansätze bekanntlich als „Augen“ bezeichnet werden, wird bei den Fotos sinnfällig.

In welche Richtung man als Betrachter assoziiert, hängt von diesem selber ab. Ähnlich wie bei  dem berühmten Rorschach-Test, bei dem schwarze Tintenklecksmuster zu einem psychodiagnostischen Test benutzt werden, dienen die Fotos dazu, die Assoziation der Betrachter in Gang zu bringen und in diesem Sinne eine Wahrnehmungserfahrung zu ermöglichen. Dies betrifft übrigens auch grundsätzlich die(ästhetische) Wahrnehmung, die immer eine subjektive Konstruktionsleistung darstellt. Sich darüber auszutauschen, dürfte eine spannende Ausstellungserfahrung sein.

Die Weinstock-Fotos passen zu dem Ausstellungsort, einer traditionsreichen Bochumer Weinhandlung. Neben der thematischen Affinität der Ausstellung zum Ort ergibt sich vielleicht noch ein anderer Bezug: Dass die Metamorphose-Erfahrung und die entsprechende Assoziationskraft durch Weingenuss noch verstärkt werden können, ist auch schon seit der Antike bekannt.

 

Öffnungszeiten:  Mo – Fr  11.00 – 18.30 Uhr, Sa 10.00 – 15.00 Uhr

Eintritt frei

 

Finissage am 14.9.2013 um 17.00 Uhr

(c) Bilder Heinrich Brinkmöller-Becker